Student der islamischen Theologie · Hadithwissenschaften
Persönlicher und akademischer Hintergrund:
Nuradin Naiem ist Student der islamischen Theologie, angehender Lehrer und unabhängiger Forscher mit einem besonderen Schwerpunkt auf den klassischen islamischen Wissenschaften. Er wurde in Deutschland geboren und wuchs in einem deutsch-arabischen beziehungsweise palästinensisch geprägten Umfeld auf. Durch diese biografische Verbindung zwischen dem deutschsprachigen Raum und der arabisch-islamischen Welt entwickelte er bereits früh ein besonderes Interesse an religiösen, theologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen.
Seine fließenden Kenntnisse der deutschen und arabischen Sprache ermöglichen es ihm, sowohl klassische arabische Primärquellen als auch moderne deutschsprachige wissenschaftliche Literatur zu erschließen. Darüber hinaus verfügt er über sehr gute Englischkenntnisse. Diese sprachliche Mehrfachkompetenz bildet eine wichtige Grundlage seiner akademischen Arbeit, da sie ihm erlaubt, unterschiedliche wissenschaftliche Traditionen miteinander in Beziehung zu setzen und komplexe islamwissenschaftliche Inhalte für ein deutschsprachiges Publikum verständlich aufzubereiten.
Im Zentrum seines wissenschaftlichen Interesses stehen die islamische Theologie, die Hadithwissenschaften, die Biografien der Überlieferer, die islamische Rechtswissenschaft, die Glaubenslehre sowie die methodische Untersuchung klassischer islamischer Texte. Sein Studium beschränkt sich dabei nicht ausschließlich auf die theoretische Vermittlung universitärer Inhalte. Neben seinem akademischen Studium widmet er sich kontinuierlich dem persönlichen Studium klassischer Werke und nimmt weiterführenden Unterricht bei Gelehrten und Lehrern der islamischen Wissenschaften.
Zu seinen Lehrern gehört unter anderem Schaikh Khālid al-Ḥanafī, bei dem er seine Kenntnisse in verschiedenen islamischen Disziplinen vertieft. Durch die Verbindung von universitärer Ausbildung, traditionellem Unterricht und eigenständiger Quellenforschung entwickelte Nuradin Naiem ein wissenschaftliches Profil, das sowohl akademisch reflektiert als auch fest in der klassischen islamischen Gelehrtentradition verankert ist.
Studium der islamischen Theologie:
Nuradin Naiem befindet sich in einem fortgeschrittenen Abschnitt seines Studiums der islamischen Theologie. Während seines Studiums beschäftigte er sich mit grundlegenden und weiterführenden Fragestellungen aus den Bereichen Koranwissenschaften, Hadithwissenschaften, islamische Glaubenslehre, islamisches Recht, Prophetenbiografie, islamische Geschichte, arabische Sprache und Methodologie.
Ein besonderer Schwerpunkt seines Studiums liegt auf der Frage, wie islamische Texte wissenschaftlich korrekt verstanden, geprüft und vermittelt werden können. Dabei interessiert ihn nicht nur das Ergebnis einer theologischen Untersuchung, sondern vor allem der methodische Weg, der zu einem bestimmten Urteil führt. Er legt daher großen Wert auf nachvollziehbare Argumentationsstrukturen, eine sorgfältige Verwendung von Fachbegriffen und eine klare Unterscheidung zwischen gesicherten Erkenntnissen, wahrscheinlichen Einschätzungen und offenen Forschungsfragen.
Sein akademisches Selbstverständnis ist von der Überzeugung geprägt, dass die islamischen Wissenschaften weder ausschließlich als historische Disziplinen noch lediglich als persönliche Frömmigkeitspraxis verstanden werden dürfen. Vielmehr betrachtet er sie als lebendige, methodisch strukturierte Wissenschaften, deren Quellen, Begriffe und Argumentationsformen ernst genommen werden müssen. Gleichzeitig ist es ihm wichtig, klassische islamische Inhalte so zu vermitteln, dass sie auch für Studierende verständlich werden, die bisher nur wenig Kontakt mit arabischen Originaltexten oder der traditionellen islamischen Fachterminologie hatten. Seine wissenschaftliche Arbeit verbindet deshalb quellenorientierte Genauigkeit mit einer didaktisch verständlichen Darstellung.
Schwerpunkt Hadithwissenschaften:
Das zentrale Forschungsgebiet von Nuradin Naiem bilden die Hadithwissenschaften. Innerhalb dieses umfangreichen Fachbereichs beschäftigt er sich insbesondere mit der Prüfung von Überlieferungsketten, der Bewertung einzelner Überlieferer, den unterschiedlichen Urteilen der Hadithkritiker und der methodischen Einordnung schwacher oder umstrittener Überlieferungen.
Seine Arbeit umfasst sowohl die Untersuchung des Isnād, also der Überlieferungskette, als auch die Analyse des Matn, des eigentlichen Überlieferungstextes. Dabei berücksichtigt er unter anderem die Frage, ob eine Überlieferungskette tatsächlich verbunden ist, ob sich die beteiligten Überlieferer nachweislich begegnet sind, wie zuverlässig ihr Gedächtnis war und welche Urteile frühere Hadithkritiker über sie gefällt haben.
Darüber hinaus untersucht er, ob der Inhalt einer Überlieferung im Widerspruch zu stärkeren Überlieferungen, bekannten historischen Tatsachen oder gesicherten Grundlagen der islamischen Lehre steht. Sein Ziel besteht dabei nicht darin, Überlieferungen vorschnell abzulehnen oder unkritisch zu akzeptieren. Vielmehr versucht er, jede Überlieferung entsprechend ihrer tatsächlichen Beweislage differenziert einzuordnen.
Ein wesentliches Merkmal seines methodischen Ansatzes ist die besondere Aufmerksamkeit für die Urteile der frühen Hadithkritiker. Er beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie Gelehrte wie Yaḥyā ibn Saʿīd al-Qaṭṭān, Yaḥyā ibn Maʿīn, ʿAlī ibn al-Madīnī, Aḥmad ibn Ḥanbal, al-Buḫārī, Abū Ḥātim ar-Rāzī, Abū Zurʿa ar-Rāzī, an-Nasāʾī und andere bedeutende Kritiker einzelne Überlieferer und Überlieferungswege bewerteten.
Dabei ist ihm bewusst, dass die Aussagen der Gelehrten nicht immer widerspruchsfrei erscheinen. Ein Überlieferer kann von einem Gelehrten als zuverlässig bezeichnet und von einem anderen kritisiert werden. Deshalb legt Nuradin Naiem großen Wert darauf, die genauen Gründe einer Kritik zu untersuchen. Er fragt beispielsweise, ob die Schwäche eines Überlieferers grundsätzlich bestand oder erst im hohen Alter auftrat, ob sie nur bestimmte Lehrer, Regionen oder Überlieferungsbücher betraf und ob zwischen seinen frühen und späteren Überlieferungen unterschieden werden muss.
Beschäftigung mit der Überliefererkritik:
Ein weiterer Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeit ist die sogenannte ʿIlm ar-Riǧāl, die Wissenschaft von den Hadithüberlieferern. Hierbei arbeitet Nuradin Naiem regelmäßig mit den bedeutenden biografischen und hadithkritischen Nachschlagewerken der islamischen Literatur.
Zu den von ihm verwendeten klassischen Werken gehören unter anderem „Tahḏīb al-Kamāl" von al-Mizzī, „Tahḏīb at-Tahḏīb" und „Taqrīb at-Tahḏīb" von Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī, „Mīzān al-Iʿtidāl" und „Siyar Aʿlām an-Nubalāʾ" von aḏ-Ḏahabī, „al-Kāmil fī Ḍuʿafāʾ ar-Riǧāl" von Ibn ʿAdī, „aḍ-Ḍuʿafāʾ al-Kabīr" von al-ʿUqailī, „al-Maǧrūḥīn" von Ibn Ḥibbān sowie weitere Werke der frühen und späteren Hadithkritik.
Seine Beschäftigung mit diesen Werken dient nicht lediglich dem Nachschlagen einzelner Bewertungen. Vielmehr untersucht er die Entwicklung und Überlieferung hadithkritischer Urteile. Dabei geht er der Frage nach, welcher Gelehrte ein bestimmtes Urteil ursprünglich formulierte, in welchem Zusammenhang dieses Urteil stand und wie spätere Autoren es übernommen, verkürzt oder interpretiert haben.
Besondere Bedeutung misst er der Unterscheidung zwischen allgemeiner und detaillierter Kritik bei. Eine pauschale Aussage über einen Überlieferer besitzt für ihn nicht immer denselben wissenschaftlichen Wert wie eine konkrete Begründung, in der beispielsweise Gedächtnisschwäche, Verwechslungen, unbekannte Lehrer, unterbrochene Überlieferungsketten oder fehlerhafte Textvarianten genannt werden.
In seiner eigenen Forschungsarbeit vertritt er einen vorsichtigen Umgang mit der nachträglichen Aufwertung schwacher Überlieferungen. Er lehnt es ab, mehrere schwache Überlieferungswege allein aufgrund ihrer Anzahl automatisch zu einer starken Überlieferung zusammenzufassen. Entscheidend ist für ihn vielmehr, ob die einzelnen Überlieferungswege tatsächlich voneinander unabhängig sind und ob mindestens einer dieser Wege eine ausreichende wissenschaftliche Tragfähigkeit besitzt.
Diese methodische Vorsicht verbindet er mit Respekt gegenüber den unterschiedlichen Urteilen der Gelehrten. Er ist sich bewusst, dass Hadithkritik ein Bereich des qualifizierten wissenschaftlichen Bemühens ist und dass unterschiedliche Schlussfolgerungen nicht zwangsläufig auf Unwissenheit oder Nachlässigkeit beruhen müssen.
Islamische Rechtswissenschaft:
Neben den Hadithwissenschaften beschäftigt sich Nuradin Naiem intensiv mit der islamischen Rechtswissenschaft. In seiner eigenen rechtswissenschaftlichen Orientierung steht er der schafiitischen Rechtsschule nahe. Dabei betrachtet er die Zugehörigkeit zu einer Rechtsschule nicht als bloße Übernahme einzelner Rechtsurteile, sondern als methodischen Zugang zum Verständnis der Offenbarungstexte und ihrer rechtlichen Anwendung.
Er befasst sich mit den Grundlagen der schafiitischen Rechtsschule, ihren Fachbegriffen, ihren bedeutenden Gelehrten und der Entwicklung ihrer Lehrmeinungen. Zugleich interessiert ihn die vergleichende Betrachtung unterschiedlicher Rechtsschulen. Dabei legt er Wert auf eine respektvolle Darstellung abweichender Positionen und bemüht sich, die Beweise und methodischen Grundlagen der jeweiligen Auffassungen nachvollziehbar zu erklären.
In seiner Auseinandersetzung mit dem islamischen Recht unterscheidet er zwischen eindeutigen religiösen Grundlagen und Fragen, in denen unter den Gelehrten legitime Meinungsverschiedenheiten bestehen. Diese Unterscheidung betrachtet er als besonders wichtig für den akademischen Unterricht. Studierende sollen lernen, weder jede Meinungsverschiedenheit zu relativieren noch jede abweichende Position vorschnell als unzulässig zu bewerten.
Glaubenslehre und methodische Ausrichtung:
Auch die islamische Glaubenslehre gehört zu den zentralen Bestandteilen seiner Ausbildung. Nuradin Naiem orientiert sich an einem quellenbezogenen sunnitischen Verständnis des Islams und misst dem Koran, der authentischen prophetischen Überlieferung und dem Verständnis der frühen muslimischen Generationen (Salaf) eine besondere Bedeutung bei.
Gleichzeitig lehnt er Übertreibung, vorschnelle Verurteilung und eine polemische Behandlung innerislamischer Meinungsverschiedenheiten ab. Sein theologisches Selbstverständnis ist durch den Versuch geprägt, an den klassischen Quellen festzuhalten, ohne wissenschaftliche Differenzierung und einen respektvollen Umgang mit anderen Auffassungen aufzugeben.
Für ihn setzt eine ernsthafte Beschäftigung mit der islamischen Glaubenslehre voraus, dass historische Begriffe in ihrem ursprünglichen Kontext verstanden werden. Deshalb warnt er davor, moderne Vorstellungen unreflektiert auf frühere theologische Debatten zu übertragen. Studierende sollen lernen, die jeweilige Begriffswelt, die historischen Hintergründe und die Argumentationsweisen der beteiligten Gelehrten zu berücksichtigen.
Eigene Forschungs- und Buchprojekte:
Neben seinem Studium arbeitet Nuradin Naiem an mehreren eigenen Forschungs- und Buchprojekten. Diese Projekte verbinden die Untersuchung klassischer arabischer Quellen mit dem Ziel, komplizierte hadithwissenschaftliche Inhalte verständlich und strukturiert darzustellen.
Zu seinen zentralen Projekten gehört das Werk „al-Luʾluʾ aṣ-Ṣāfī fī Kašf az-Zaif al-Ḫāfī" (اللؤلؤ الصافي في كشف الزيف الخافي). Dieses Projekt widmet sich der Untersuchung schwacher, unbelegter oder fälschlich verbreiteter Überlieferungen. Dabei werden nicht nur abschließende Urteile genannt, sondern möglichst auch die verschiedenen Überlieferungswege, die beteiligten Gewährspersonen und die Aussagen früherer Hadithkritiker dokumentiert. Das Ziel dieses Werkes besteht darin, dem Leser zu zeigen, weshalb eine bestimmte Überlieferung als schwach, problematisch oder nicht nachweisbar einzustufen ist. Auf diese Weise soll Hadithkritik nicht als bloße Sammlung von Urteilen erscheinen, sondern als transparente wissenschaftliche Methode.
Ein weiteres Buchprojekt trägt den Titel „al-Ǧauhara ar-Rašīda bi-Šarḥ al-Arbaʿīn an-Nawawiyya" (الجوهرة الرشيدة بشرح الأربعين النووية). Hierbei handelt es sich um einen Kommentar zu den berühmten vierzig Hadithen des Imams an-Nawawī. Das Projekt soll die Überlieferungen sprachlich, theologisch, rechtlich und erzieherisch erläutern. Neben der Erklärung einzelner Begriffe werden auch die wichtigsten Lehren, Rechtsfragen und praktischen Konsequenzen der Hadithe behandelt. Nuradin Naiem arbeitet bei diesem Projekt mit dem Anspruch, klassische Kommentare zu berücksichtigen und ihre Inhalte zugleich in einer verständlichen Sprache wiederzugeben. Der Leser soll erkennen, dass die Hadithe an-Nawawīs nicht nur kurze religiöse Aussagen darstellen, sondern grundlegende Prinzipien des islamischen Glaubens, Rechts und Charakters enthalten.
Darüber hinaus verfolgt er ein umfangreiches Forschungsprojekt über schwache und kritisierte Überlieferer. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf denjenigen Überlieferern liegen, die von dem bedeutenden frühen Hadithkritiker Yaḥyā ibn Saʿīd al-Qaṭṭān kritisiert wurden. Für jeden untersuchten Überlieferer ist ein eigenständiges Dossier vorgesehen. Dieses soll biografische Angaben, Lehrer und Schüler, die Urteile der Hadithkritiker, auffällige Überlieferungen und eine abschließende wissenschaftliche Bewertung enthalten. Dieses langfristige Projekt verbindet biografische Forschung mit einer Untersuchung der methodischen Grundlagen früher Hadithkritik.
Daneben beschäftigt sich Nuradin Naiem mit einzelnen umstrittenen historischen und theologischen Überlieferungen. Er untersucht deren Überlieferungswege, vergleicht unterschiedliche Textfassungen und analysiert die Bewertungen klassischer sowie moderner Gelehrter. Solche Detailstudien betrachtet er als wichtige Übung wissenschaftlicher Genauigkeit, weil sie zeigen, wie stark ein theologisches oder historisches Urteil von der sorgfältigen Analyse einzelner Quellen abhängen kann.
Pädagogisches und didaktisches Verständnis:
Als angehender Lehrer verfolgt Nuradin Naiem das Ziel, islamisches Wissen auf eine wissenschaftlich verantwortungsvolle, verständliche und respektvolle Weise zu vermitteln. Der Unterricht soll für ihn weder in einer bloßen Ansammlung von Informationen noch in der unkritischen Wiedergabe einzelner Lehrmeinungen bestehen.
Studierende sollen vielmehr lernen, selbstständig mit Quellen umzugehen, Argumentationen zu erkennen und wissenschaftliche Urteile nachzuvollziehen. Deshalb legt er großen Wert darauf, die methodischen Schritte einer Untersuchung offen darzulegen. Wird beispielsweise ein Hadith behandelt, sollen die Studierenden nicht nur erfahren, ob dieser Hadith authentisch oder schwach ist. Sie sollen auch verstehen, welche Überlieferungskette vorliegt, welche Gelehrten sie bewertet haben und welche konkreten Gründe für das jeweilige Urteil genannt wurden.
Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass viele Studierende zunächst keinen direkten Zugang zur arabischen Fachliteratur besitzen. Sein Unterricht soll deshalb arabische Originaltexte einbeziehen, diese jedoch sprachlich erklären und in ihren historischen sowie fachlichen Zusammenhang einordnen.
Ein wichtiger Bestandteil seiner Lehrphilosophie ist die Schaffung einer Atmosphäre, in der Fragen gestellt und unterschiedliche wissenschaftliche Positionen sachlich diskutiert werden können. Er möchte Studierende dazu ermutigen, Argumente zu prüfen, ohne dabei den notwendigen Respekt vor der islamischen Gelehrtentradition zu verlieren.
Sein Unterrichtsverständnis verbindet damit drei wesentliche Elemente: Quellenorientierung, methodische Genauigkeit und verständliche Vermittlung.
Interdisziplinäre Kompetenzen:
Neben der islamischen Theologie beschäftigt sich Nuradin Naiem auch mit Informatik und methodisch-analytischen Fragestellungen. Diese zusätzliche akademische Erfahrung fördert seine Fähigkeit, komplexe Probleme in einzelne Schritte zu zerlegen, Begriffe genau zu definieren und Argumentationsstrukturen systematisch zu untersuchen.
Gerade im Bereich der Hadithwissenschaften erkennt er zahlreiche Berührungspunkte mit strukturiertem und analytischem Denken. Die Untersuchung von Überlieferungsnetzwerken, die Zuordnung verschiedener Textfassungen und die chronologische Analyse von Lehrern und Schülern erfordern eine hohe methodische Genauigkeit.
Langfristig interessiert ihn auch die Frage, wie digitale Werkzeuge sinnvoll für die islamwissenschaftliche Forschung eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise digitale Hadithdatenbanken, strukturierte Sammlungen biografischer Angaben, die Erfassung unterschiedlicher Überlieferungswege und die vergleichende Analyse klassischer Quellen. Digitale Methoden können nach seiner Auffassung die traditionelle Quellenarbeit nicht ersetzen. Sie können jedoch dazu beitragen, große Textmengen effizienter zu durchsuchen, Verbindungen zwischen Überlieferern sichtbar zu machen und Forschungsergebnisse übersichtlich zu dokumentieren.
Sprachliche und kulturelle Vermittlung:
Durch seine deutsch-arabische Sprachkompetenz versteht sich Nuradin Naiem auch als Vermittler zwischen unterschiedlichen akademischen und kulturellen Kontexten. Viele bedeutende Werke der islamischen Wissenschaften liegen ausschließlich oder hauptsächlich in arabischer Sprache vor. Gleichzeitig wächst im deutschsprachigen Raum das Interesse an einer wissenschaftlich fundierten Beschäftigung mit islamischer Theologie und Geschichte.
Sein Ziel ist es daher, arabische Primärquellen nicht nur zu übersetzen, sondern auch ihre Fachbegriffe, historischen Voraussetzungen und wissenschaftlichen Methoden verständlich zu machen. Eine rein wörtliche Übersetzung reicht nach seinem Verständnis häufig nicht aus, da zahlreiche Begriffe innerhalb der islamischen Wissenschaften eine spezifische fachliche Bedeutung besitzen.
In seiner Lehrtätigkeit möchte er Studierenden helfen, schrittweise einen eigenen Zugang zu diesen Quellen zu entwickeln. Dazu gehört auch, sie für Übersetzungsprobleme, unterschiedliche Bedeutungsnuancen und die Notwendigkeit historischer Kontextualisierung zu sensibilisieren.
Persönlichkeit und akademisches Selbstverständnis:
Nuradin Naiem beschreibt seinen eigenen Charakter als ruhig, verständnisvoll und geduldig. Diese Eigenschaften prägen auch sein Verhältnis zu Studium und Lehre. Wissenschaftliche Arbeit bedeutet für ihn, sich ausreichend Zeit für Quellen, Argumente und unterschiedliche Positionen zu nehmen.
Er bemüht sich, auch bei kontroversen Themen sachlich zu bleiben und zwischen der Kritik an einer Aussage und der persönlichen Bewertung ihres Vertreters zu unterscheiden. Gerade im religiösen Bereich hält er es für notwendig, wissenschaftliche Klarheit mit guter Umgangsweise zu verbinden.
Sein akademisches Selbstverständnis ist von Demut gegenüber dem überlieferten Wissen und dem Bewusstsein geprägt, dass wissenschaftliche Urteile stets Verantwortung mit sich bringen. Er betrachtet das Unterrichten islamischer Inhalte daher nicht lediglich als berufliche Tätigkeit, sondern als eine Aufgabe, die Genauigkeit, Aufrichtigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit den Studierenden erfordert.
Ziele als Lehrer:
In seiner zukünftigen Tätigkeit als Lehrer möchte Nuradin Naiem Studierenden einen fundierten Zugang zu den klassischen islamischen Wissenschaften ermöglichen. Dabei sollen sowohl die traditionellen Quellen als auch moderne akademische Fragestellungen berücksichtigt werden.
Zu seinen möglichen Lehr- und Forschungsschwerpunkten gehören:
- Einführung in die Hadithwissenschaften
- Grundlagen der Hadithterminologie
- Methodik der Überliefererkritik
- Biografische Hadithliteratur und ʿIlm ar-Riǧāl
- Analyse klassischer arabischer Quellen
- Schwache und umstrittene Überlieferungen
- Grundlagen der islamischen Rechtswissenschaft
- Einführung in die schafiitische Rechtsschule
- Islamische Glaubenslehre
- Geschichte der islamischen Gelehrtentradition
- Wissenschaftliches Arbeiten in der islamischen Theologie
- Arabische Fachterminologie für Studierende der Islamwissenschaften
Sein Ziel besteht darin, Studierende nicht nur auf Prüfungen vorzubereiten, sondern ihnen Fähigkeiten zu vermitteln, die sie für ihr weiteres Studium und ihre eigene wissenschaftliche Arbeit benötigen. Dazu gehören Quellenkritik, Textanalyse, sprachliche Genauigkeit, methodische Reflexion und der respektvolle Umgang mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen.
Besondere Bedeutung misst er der Förderung eigenständigen Denkens bei. Studierende sollen lernen, zwischen einem bloßen Zitat und einem wissenschaftlichen Beweis zu unterscheiden. Sie sollen erkennen, dass die Erwähnung eines Gelehrtennamens allein noch keine vollständige Argumentation ersetzt und dass jedes Urteil in seinem fachlichen und historischen Zusammenhang untersucht werden muss.
Zukunftsperspektive:
Langfristig möchte Nuradin Naiem seine Tätigkeit in Lehre, Forschung und wissenschaftlicher Publikation weiter ausbauen. Neben der Fertigstellung seiner Buchprojekte strebt er an, seine Untersuchungen zur Hadithkritik zu vertiefen und einem deutsch- sowie arabischsprachigen Publikum zugänglich zu machen.
Ein wesentliches Anliegen ist ihm die Entwicklung deutschsprachiger Lehrmaterialien zu den Hadithwissenschaften. Im deutschsprachigen Raum fehlt es teilweise noch an ausführlichen, methodisch differenzierten und zugleich verständlichen Einführungen in die Überliefererkritik und die klassische Hadithterminologie. Durch seine Arbeit möchte er dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Dabei sollen die Werke der klassischen Gelehrten nicht lediglich zusammengefasst, sondern in ihrer eigenen Methodik dargestellt werden. Studierende sollen erkennen können, wie Hadithkritiker argumentierten, welche Kategorien sie verwendeten und weshalb ihre Urteile teilweise voneinander abwichen.
Gleichzeitig möchte er den wissenschaftlichen Austausch zwischen universitärer Islamwissenschaft, islamischer Theologie und traditioneller Gelehrsamkeit fördern. Er ist überzeugt, dass diese Bereiche voneinander profitieren können, sofern ihre jeweiligen Methoden und Voraussetzungen ernst genommen werden.
Zusammenfassung:
Nuradin Naiem verbindet in seinem akademischen Profil ein fortgeschrittenes Studium der islamischen Theologie mit einem intensiven persönlichen Studium der klassischen islamischen Wissenschaften. Seine besonderen Schwerpunkte liegen in den Hadithwissenschaften, der Überliefererkritik, der biografischen Hadithliteratur, der islamischen Rechtswissenschaft und der methodischen Analyse arabischer Primärquellen.
Durch seine Sprachkenntnisse in Deutsch und Arabisch sowie seine sehr guten Englischkenntnisse ist er in der Lage, zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen und kulturellen Kontexten zu vermitteln. Seine Forschungsarbeit zeichnet sich durch Quellenorientierung, methodische Vorsicht und eine besondere Aufmerksamkeit für die Urteile der frühen Hadithkritiker aus.
Mit seinen eigenen Buch- und Forschungsprojekten verfolgt er das Ziel, klassische islamische Wissenschaften wissenschaftlich fundiert und zugleich verständlich darzustellen. Als Lehrer möchte er Studierende dazu befähigen, islamische Quellen eigenständig zu lesen, kritisch zu analysieren und in ihrem historischen sowie methodischen Zusammenhang zu verstehen.
Sein Lehrverständnis beruht auf der Verbindung von fachlicher Genauigkeit, verständlicher Vermittlung, respektvoller Diskussion und persönlicher Verantwortung. Damit möchte Nuradin Naiem einen nachhaltigen Beitrag zur akademischen Lehre und Forschung im Bereich der islamischen Theologie und Hadithwissenschaft leisten.